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Chronische Kopfschmerzen - Ursachen und Therapie

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Im folgenden sollen die beiden häufigsten Arten chronische r Kopfschmerzen dargestellt werden: die Migräne und der Kopfschmerz vom Spannungstyp (Spannungskopfschmerz). Über 90% der Bevölkerung leiden im Verlauf ihres Lebens unter dem Kopfschmerz vom Spannungstyp (Spannungskopfschmerz). Etwa 7% aller Männer und 13% aller Frauen leiden unter einer Migräne. In Anbetracht der großen Häufigkeit werden Kopfschmerzen oft als „etwas Normales“, eine Bagatelle, abgetan und der gezielten Behandlung von Arzt und Patient nicht viel Bedeutung beigemessen. Der Patient wendet sich mit Fragen zur Behandlung oft nur an den Apotheker. Gerade bei chronischen Kopfschmerzen sollte die Behandlung aber regelmäßig mit dem Hausarzt oder einem Neurologen besprochen werden, um zu schauen, welche Möglichkeiten bestehen, eine verträglichere oder effektivere Therapie existieren oder auch ob die bisherige Therapie sinnvoll und sicher ist.

Chronische Kopfschmerzen – Spannungskopfschmerz

Der Spannungskopfschmerz ist eine der häufigsten Erkrankungen in der heutigen Gesellschaft. 90 % der Bevölkerung lernen diesen Typ Kopfweh im Verlaufe ihres Lebens kennen. An der chronischen Verlaufsform (Spannungskopfschmerz an mindestens 180 Tagen im Jahr) leiden 2 – 3 % der Bevölkerung! Bislang wurden nur vergleichsweise wenige Untersuchungen über diese Art der Kopfschmerzen durchgeführt. Entsprechend liegen auch nur wenige Kenntnisse zur Ursache und zum Entstehen vor.

Chronische Kopfschmerzen - Behandlung

Grundsätzlich sollten die individuell günstigste Behandlung und mögliche Nebenwirkungen mit dem Hausarzt oder Neurologen besprochen werden! Dennoch sollen im Folgenden einige Therapieformen geschildert werden.

Eine spezifische Behandlung von Spannungskopfschmerz gibt es nicht. Die gegenwärtige Behandlungsstrategie unterscheidet die Behandlung der einzelnen Attacke und die Prophylaxe weiterer Attacken.

Um dem Spannungskopfschmerz vorzubeugen sind zunächst Auslösemechanismen (Trigger) zu erkennen und zu beseitigen. Hierzu gehören insbesondere psychischer Stress und Angst.

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Therapie der akuten Episode

Bevor man an Medikamente zur Behandlung eines Spannungskopfschmerzes denkt, sollte man andere Therapieformen in Erwägung ziehen und ausprobieren. Eine kleine Studie hatte beispielsweise den Effekt von Pfefferminzöl (Japanisches Heilpflanzenöl), gerieben auf Stirn und Schläfen, gezeigt. Diese Therapie ist besonders nebenwirkungsarm. Aber auch der Eisbeutel auf die Stirn, bei manchen Patienten ein warmes Dinkelkissen in den Nacken, leisten im Einzelfall gute Dienste.

Auch kann der Einsatz eines Entspannungsverfahrens, der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) oder des Autogenen Trainings zur Schmerzlinderung führen. Diese Verfahren müssen aber erst erlernt und dann regelmäßig angewendet werden, um auch im Bedarfsfall zur Verfügung zu stehen.

Dabei ist besonders bei längerer Einnahme, prinzipiell aber auch bei einmaliger Einnahme, die Gefahr von Magenschleimhautentzündungen bis hin zu tödlichen Magenblutungen zu berücksichtigen. In dieser Hinsicht weist Paracetamol das günstigste Profil auf. Bei letzteren ist besonders bei Leberschäden Vorsicht walten zu lassen. Metamizol ist vorübergehend wegen einer akuten Abnahme der Zahl der weißen Blutkörperchen mit tödlichem Ausgang aus dem Handel genommen worden. Diese Nebenwirkung ist aber sehr selten.

Therapie des chronischen Spannungskopfschmerz

Zunächst ist zu überprüfen, ob wirklich ein chronischer Spannungskopfschmerz besteht, die Kopfschmerzen also an mindestens 15 Tagen im Monat über einem Zeitraum von 6 Monaten vorliegen. Hier sind insbesondere auch andere Ursachen chronischer Schmerzen zu eruieren. Vor allem ist zu überprüfen, ob der oben geschilderte analgetikainduzierte Dauerkopfschmerz besteht.

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Liegt wirklich ein chronischer Spannungskopfschmerz vor, sind zunächst auch erst einmal die allgemeinen Maßnahmen durchzuführen. Ganz wichtig ist dabei das Führen eines Kopfschmerzkalenders. Verschiedene Formen eines Kopfschmerzkalenders sind im Internet abrufbar. Im Internet verfügbar ist ein Formular der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Mit einem solchen Kalender ist die Zahl und Art der Kopfschmerzattacken sicher zu ermitteln. Auch kann geschaut werden, ob die Kopfschmerzen immer zu bestimmten Zeiten oder in Verbindung mit bestimmten Ereignissen auftreten. Lassen sich solche Auslösemechanismen ermitteln, kann versucht werden, sie gezielt zu vermeiden.

Eine erfolgversprechende Therapieoption ist Ausdauersport. Durch regelmäßiges Ausdauertraining wie z. B.

· Jogging

· Schwimmen

· Radfahren

zwei- bis dreimal eine halbe Stunde pro Woche ist eine Minderung der Häufigkeit der Schmerzen zu erreichen.

Wichtig ist auch das Entspannungstraining. In Frage kommen die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR) und das Autogene Training. Diese Verfahren müssen erlernt und dann regelmäßig angewendet werden. Sie sollen nicht nur bei Schmerzen sondern regelmäßig eingesetzt werden. Sie können in unserer Rehabilitationsklinik erlernt werden, aber auch viele Volkshochschulen und Krankenkassen bieten Kurse an. Dabei ist die PMR schneller und leichter zu erlernen.

Ebenfalls sinnvoll ist ein spezielles Stressbewältigungstraining. Dabei sollen Strategien für einen guten und gesunden Umgang mit Stress bzw. eine Verminderung von Stress im Alltag angestrebt werden. Auch ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus kann zu einer Besserung der Schmerzerkrankung beitragen.

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Chronische Kopfschmerzen – Migräne

Wie oben beschrieben, leiden etwa 7% aller Männer und 13% aller Frauen unter einer Migräne. Vor der Pubertät beträgt die Häufigkeit der Migräne 4 – 5 %, und Jungen und Mädchen sind gleich häufig betroffen. Die größte Häufigkeit der Migräneattacken liegt zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Bei der Migräne treten meist einseitige Kopfschmerzen von pochendem Charakter auf, die als sehr heftig erlebt werden. Geringe körperliche Tätigkeiten, wie beispielsweise schon das Steigen einer Treppe, führen zu einer Zunahme der Schmerzen. Vegetative Begleiterscheinungen wie Übelkeit sind fast immer und Erbrechen in etwa der Hälfte der Patienten vorhanden. Auch Lichtscheu und Lärmempfindlichkeit werden regelmäßig berichtet. Die Patienten ziehen sich deshalb gern in ein dunkles Zimmer zurück und legen sich hin. Die Schmerzen können auch beiderseitig auftreten. Meist ist bei einseitigem Vorliegen eine Seite bevorzugt. Oft wird ein Beginn der Schmerzen im Nacken angegeben, sie breiten sich dann über die Schläfen bis zur Stirn oder darüber hinaus bis zum Auge aus. Die Dauer einer Kopfschmerzattacke beträgt von 4 Stunden bis zu 3 Tagen. Die meisten Patienten berichten eine Dauer von einem Tag. Die Schwere und Häufigkeit von Migräneattacken nimmt nach dem 45. Lebensjahr meist ab, sowohl bei Frauen wie auch bei Männern.

Chronische Kopfschmerzen – Vorbeugung

Allgemeine Maßnahmen sollten bei Patienten, die häufiger als monatlich unter Migräneattacken leiden grundsätzlich eingesetzt werden. Hierzu gehört das Führen eines Kopfschmerzkalenders, das Erkennen von Auslösemechanismen, wie oben ausgeführt. Im Internet verfügbar ist ein Formular der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Sind beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser erkannt, können diese vermieden werden. Stress sollte gegebenenfalls reduziert werden. Hierzu dienen Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder das Autogene Training. Diese Verfahren müssen erlernt und dann regelmäßig angewendet werden. Sie sollen nicht nur bei Schmerzen sondern müssen regelmäßig eingesetzt werden. Nach Möglichkeit sollte man sich zweimal am Tag hierfür Zeit nehmen. Die Techniken können in unserer Rehabilitationsklinik erlernt werden, aber auch viele Volkshochschulen und Krankenkassen bieten Kurse an. Dabei ist die Progressive Muskelrelaxation schneller und leichter zu erlernen. Zudem gibt es Strategien, die den Umgang mit Schmerz erleichtern. Kurse, die solche Schmerzbewältigungsstrategien vermitteln, sind ebenso wie Stressbewältigungskurse zu empfehlen.

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Die Wirksamkeit der Vorbeugung der verschiedenen Maßnahmen ist grundsätzlich durch den Kopfschmerzkalender zu belegen. Erst nach 8 bis 12 Wochen ist überzeugend festzustellen, ob das eingesetzte Medikament effektiv wirkt oder ein anderes benötigt wird.

Abschließend möchten wir auf die zehn Tipps für Migräne-Patienten hinweisen, die die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zusammengestellt hat:

1. Behalten Sie Ihren Schlaf-Wachrhythmus bei.

2. Meiden Sie Ihre persönlichen Migräne-Auslöser.

3. Meiden Sie Saunabesuche.

4. Treiben Sie Sport.

5. Hetzen Sie nicht in den Urlaub.

6. Planen Sie Ihren Tagesablauf (nicht zuviel vornehmen).

7. Lernen Sie „Nein“ zu sagen.

8. Seien Sie kein Prinzipienreiter (Lassen Sie mal Fünfe gerade sein).

9. Bitte keinen 48 Stunden-Tag.

10. Bitte mehr genießen...

Stellen chronische Kopfschmerzen ein gravierendes Gesundheitsproblem dar und lassen sie sich nicht durch die ambulante Behandlung ausreichend bessern, ist eine stationäre Rehabilitation zu empfehlen. In diesem Rahmen können die Optimierung der Attackenbehandlung, die vorbeugende Behandlung und vor allem auch das Entspannungstechniken, Stress- und Schmerzbewältigungsstrategien erlernt werden.

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Zuletzt vor 240 Tagen aktualisiert von Doris A. Liebermann

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